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Simulation von Batterien und BatteriesystemenDesign und Elektronik Entwicklerforum, München, 1998Andreas Jossen und Volker Späth
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Bleibatterie |
NiCd |
NiMH |
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Konstante c |
68.4 mV |
-140 mV |
ca. -50 mV |
Bei NiMH Zellen ergibt sich die Konstante c auf Grund der Reaktionswärme der Hauptreaktion zu 207 mV. Da der Hauptreaktion im Entladefall die Desorption von Wasserstoff (endotherme Reaktion) vorgelagert ist, bzw. im Ladefall die Absorption von Wasserstoff (exotherme Reaktion) in der negativen Elektrode nachgeschaltet ist, ergibt sich eine zusätzliche Wärmequelle, bzw. Wärmesenke. Wird dieser Effekt berücksichtigt, so ergibt sich für NiMH Zellen die Konstante c zu etwa 50mV. Der genaue Wert ist abhängig vom Material der negativen Elektrode.
Die Wärmeleistung der Verlustreaktion(en) läßt sich aufgrund des geschlossenen Systems (Gaskreislauf) sehr einfach berechnen:
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Dieser Ansatz gilt nur für verschlossene Batterien, bei denen kein Gas (Wasserstoff oder Sauerstoff) entweichen kann. Bei geschlossenen Batterien, z.B. Bleibatterien mit flüssigem Elektrolyten, kann dieser Ansatz nicht verwendet werden.
Insbesondere während des Ladens nahe des Volladezustandes, wenn also der Klemmenstrom zum Großteil in die Gasungsreaktion fließt, ist die Wärmeleistung der Verlustreaktion(en) die dominierende Wärmequelle.
Die Abgabeleistung durch Strahlung ergibt sich aus dem Stefan-Boltzmannschen Gesetz. Demnach nimmt die abgegebene Leistung mit der vierten Potenz der absoluten Temperatur zu. Der gleiche Zusammenhang gilt jedoch auch für die aus der Umgebung aufgenommene Strahlungsleistung. Demnach gilt:
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Mit:
e Emissionsgrad (integraler), materialabhängig (ca. 0.7 .. 0.9 für übliche Gehäusematerialien)
s Stefan Boltzmann Konstante (5.67 10-8W/(m2K4) )
A Abstrahlende Oberfläche
Für Temperaturen im Bereich der Raumtemperatur wird in der Literatur oft ein vereinfachter linearer Zusammenhang angegeben. Demnach wird pro Kelvin Temperaturunterschied und Quadratmeter Oberfläche eine Leistung von 5-6 W angegeben [2].
Die durch Konvektion abgebbare Leistung hängt wesentlich von der Geometrie der Batterie, der Lage der Batterie (stehend oder liegend), sowie der Konvektionsbedingung (freie Konvektion oder Zwangsbelüftung) ab. Für freie Konvektion werden in der Literatur Werte um 2 4 W/m² (für 10K Temperaturunterschied) angegeben [2]. In der Regel (keine Zwangsbelüftung) liegt die durch Konvektion abgegebene Wärmeleistung unterhalb der durch Strahlung abgegebenen Wärmeleistung, so daß die Kühlung durch Konvektion in vielen Fällen vernachlässigt werden kann..
Um das Verhalten von Batteriemodulen und der darin enthaltenen Einzelzellen simulieren zu können, muß die Möglichkeit bestehen, die Wechselwirkungen zwischen den Zellen zu berücksichtigen. Eine einfache Lösung besteht darin, die Batterieoberfläche in mehrere Segmente aufzuteilen und diese Segmente den unterschiedlichen Randbedingungen (Umgebungstemperatur, Temperatur der Nachbarzelle) auszusetzen.
Das Ladezustandsmodell beschreibt die aus der Batterie unter Nennbedingungen entnehmbare Ladungsmenge. Zusätzlich erfolgt eine Normierung auf die Batterienennkapazität. Die bezogene Größe wird als Ladegrad p bezeichnet:
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Mit:
p0: Anfangsladezustand
KN: Nennkapazität der Batterie
IV: Verluststrom (z.B. Selbstentladung und sonstige Nebenreaktionen)
Der Verluststrom berechnet sich hierbei wie folgt:

Mit:
I0: Konstante, gibt die Größe aller Verlustströme bei UN und TN an
K1: Konstante, gibt die Abhängigkeit von der Klemmenspannung an
(systemabhängig: Blei geschlossen ca 90 mV, Blei verschlossen ca. 40 mV)
K2: Konstante, gibt die Abhängigkeit von der Temperatur an (ca. 6000 K)
UN: Nennspannung (bei Bleibatterien 2V, bei NiCd und NiMH 1.2V)
TN: Nenntemperatur (per Definition 300K)
T: Zelltemperatur in K
Für Entladevorgänge ist es häufig günstiger anstelle des Ladegrades p den Entladegrad q anzugeben:
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An dieser Stelle sei noch angemerkt, daß die entnehmbare Kapazität vom Batteriealter (Alterungsmodell), von der Temperatur sowie dem Entladestrom abhängt. Auf diese Zusammenhänge soll hier jedoch nicht weiter eingegangen werden.
Bei dem beschriebenen Modell handelt es sich um ein bilanzierendes Verfahren. Bei online Simulationen kann es daher zu sich akkumulierenden Fehlern kommen, die ein gelegentliches Rücksetzen des ermittelten Ladezustandes notwendig machen. Hierzu kann beispielsweise die Detektion des Volladezustandes dienen.
Adaptive Modelle haben die Eigenschaft, daß sie sich der Charakteristik der Batterie selbsttätig anpassen und daher z.B. Alterungseffekte berücksichtigen. Abbildung 2 zeigt die prinzipielle Struktur eines solchen Systems. Im wesentlichen werden hierbei die gemessenen Ausgangsgrößen der Batterie mit den über das Modell berechneten Ausgangsgrößen verglichen. Abweichungen zwischen diesen Größen werden zur Korrektur der Modellparameter verwendet. Die angewandten Methoden der Parameteranpassung können wie folgt beschrieben werden:
Da nur wenige Eingangs- und Ausgangsgrößen zur Verfügung stehen, ist es nicht sinnvoll komplexe Batteriemodelle mit vielen Parametern zu verwenden.

Abbildung 2: Prinzipielle Struktur eines adaptiven Batteriemodells
Eine weitere, von Abbildung 2 abweichende Methode, besteht darin mit Hilfe von zwei unterschiedlichen Modellen die inneren Zustandsgrößen zu berechnen und die Abweichungen zur Parameteradaption zu verwenden. Ein Beispiel für die online Simulation des Ladezustandes ist im weiteren beschrieben.
Zur Ladezustandsbestimmung wird ein bilanzierendes Verfahren, wie es im Kapitel 3.1.3 beschrieben ist, verwendet. Mit Hilfe eines weiteren Modells besteht die Möglichkeit den Volladezustand oder einen anderen definierten Ladezustand der Batterie zu detektieren (Rekalibrierungsverfahren). Mit dem Rekalibrierungsverfahren kann jedoch nur zu gewissen Zeitpunkten eine Aussage über den Ladezustand erfolgen. Demgegenüber liefert das Bilanzierungsverfahren eine kontinuierliche Ladezustandsbestimmung, jedoch mit sich akkumulierenden Fehlern.
Die Abweichung zwischen dem bilanzierten und dem mit dem Rekalibrierungsverfahren gewonnenen Ladegrad kann zur Parameterkorrektur des Verlustmodells verwendet werden. Da sich innerhalb des Verlustmodells hauptsächlich der Parameter I0 verändert, reicht es im einfachsten Fall aus nur diesen Parameter anzupassen. Wird der Zeitraum zwischen den letzten zwei Rekalibrierungen betrachtet, so läßt sich zeigen, daß für den Parameter I0 folgender Zusammenhang gilt:

Mit:
I0,n+1: Angepaßter Parameter, wie er zwischen der n-ten und (n+1)-ten Rekalibrierung gilt.
pn, pn+1: Ladegrad für den Zeitpunkt der n-ten, bzw. der (n+1)-ten Rekalibrierung. (mit Hilfe des Rekalibrierungsverfahrens gewonnen)
tn, tn+1: Zeitpunkt der n-ten, bzw. der (n+1)-ten Rekalibrierung.
Da unter Umständen die Verluste zwischen zwei Rekalibrierungen sehr klein sein können, ist es günstig den ermittelten Wert von I0,n+1 nicht direkt zu übernommen, sondern mit Hilfe eines Filters zu glätten geglättet.
Der so an das tatsächliche Batterieverhalten angepaßte Parameter führt einerseits zur Verbesserung der Ladezustandsanzeige, da die sich akkumulierenden Fehler minimieren, und andererseits liefert der Parameter eine Information über das Alter der Batterie.
Als erstes Beispiel soll das Lade- und Entladeverhalten eines 500 mAh NiCd Akkus im AA Gehäuse gezeigt werden. Die Batterieparameter wurden anhand von Datenblattangaben ermittelt. Abbildung 3 zeigt das simulierte Ladeverhalten mit Konstantströmen im Bereich 50 mA bis 500 mA.

Abbildung 3: Ladekurven in Abhängigkeit des Stromes für eine 500 mAh NiCd Zelle

Abbildung 4: Entladekurven in Abhängigkeit des Stromes für eine 500 mAh NiCd Zelle
Als Anwendungsbeispiel soll eine solarbetriebene Leuchte betrachtet werden. Eine derartige Leuchte besteht aus einem Solargenerator, einer Batterie, einer Energiesparlampe und einem einfachen Managementsystem. Das Managementsystem schaltet die Lampe bei Abenddämmerung ein und bei Morgengrauen wieder aus. Ferner wird die Lampe beim Unterschreiten einer Mindestbatteriespannung, bzw. -ladezustand abgeschaltet, um Tiefentladungen zu vermeiden. Für folgende Konfiguration wurden die Berechnungen durchgeführt:
Batterie: Bleibatterie mit 8 Ah, 12 V
Solargenerator: polikristalliner Bauart mit 36 Zellen in Serie und einer Zellfläche von 10cm * 5 cm, Leistung: 20 W peak
Leuchte: Energiesparlampe mit 2.4 W Leistungsaufnahme
Managementsystem: Die Lampe wird eingeschaltet, wenn der Generatorstrom unter 5 mA sinkt. Ausgeschaltet wird, wenn der Solargeneratorstrom wieder größer als 5 mA wird. Ferner ist ein Tiefentladeschutz für die Batterie eingebaut, der bei einem Ladezustand von 20% die Lampe vom System trennt und erst bei einem Ladezustand von 30% diese wieder mit dem System verbindet.
Abbildung 5 zeigt den Verlauf des Ladezustandes der Batterie, wie er mit Hilfe von Wetterdaten von der Schwäbischen Alb des Jahres 1996 ermittelt wurde. Es zeigt sich, daß die Batterie relativ stark zyklisiert wird. Während des gesamten Jahres wird insgesamt 100 mal die Nennkapazität in der Batterie umgesetzt. Ferner werden häufig tiefe Ladezustände erreicht, was bei Bleibatterien zu einer Lebensdauerverkürzung führt. Während der Wintermonate erreicht die Batterie den Volladezustand quasi nicht. Im Sommer besteht andererseits die Gefahr der Überladung. Wird eine Batterie in der Qualität einer Starterbatterie verwendet, so wird die Lebensdauer nicht wesentlich über einem Jahr liegen.

Abbildung 5: Ladezustandsverlauf der Batterie für das Jahr 1996
Mit Hilfe der Simulationsrechnungen besteht die Möglichkeit, den Einfluß einer geänderten Batteriegröße, Solargeneratorgröße, bzw. einer geänderten Managementstrategie auf die zyklische Batteriebelastung oder die tägliche Leuchtdauer zu ermitteln, so daß eine Systemoptimierung durchgeführt werden kann.
Es wurde gezeigt, daß für unterschiedliche Aufgabenstellungen der numerischen Simulation unterschiedliche Batteriemodelle benötigt werden. Die Nichtlinearität dieser Modelle sowie die Veränderungen der Parameterwerte durch die Batteriealterung machen die Modellbildung und die Parameterbestimmung sehr aufwendig. Ferner werden durch hochdynamische Anwendungen, wie z.B. GSM, Pulsladegeräte, Elektrofahrzeuge und Elektrowerkzeuge, Modelle notwendig, die das geforderte dynamische Verhalten beschreiben. Modelle, die das dynamische Verhalten bis hinab in den Milliskundenbereich berücksichtigen sind deutlich komplizierter als das hier gezeigte Modell und benötigen deutlich mehr Rechenleistung.
[1] C. M. Shepherd: Design of Primary and Secondary Cells II An Equation Describing Battery Discharge, Journal of Electrochemical Society, Vol. 112, G57, 1965
[2] D. Berndt. Maintenance-Free Batteries, Research Studies Press Ltd, John Wiley & Sons Inc., 1993
[3] Yufei Chen und James W. Evans: Thermal Analyses of Lithium-Ion Batteries, Journal of Electrochemical Society, Vol. 143, No. 9, 1996, S. 2708
[4] Ahmad A. Pesaran et al.: Thermal Performance of EV and HEV Battery Modules and Packs, Electric Vehicle Symposium 14, 1997
[5] A. Bosch: Rechnergestützter Entwurf photovoltaischer Anlagen, Dissertation Universität Stuttgart, 1994
[6] G. Grasemann: Bestimmung des Ladezustands von Akkumulatoren mit unterbestimmten adaptiven Modellen, Fortschrittsberichte, VDI Reihe 8, Nr. 388, Düsseldorf, VDI Verlag 1994
[7] A. Jossen, H. Döring, J. Garche: Ladezustandsanzeiger für elektrochemische Akkumulatoren, 3. Ulmer elektrochemischen Tage, Ulm 26/27.6.1995, Hrsg. Forschungszentrum der Daimler Benz AG Ulm.
[8] W. Burkner: Verfahren zur Ladezustandsbestimmung von Blei-Batterien in Photovoltaikanlagen. IFE Schriftenreihe, Heft 27, hrsg. von : Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Kraftwerkstechnik, TU München, 1994
[9] W. Steffens: Verfahren zur Schätzung der inneren Größen von Starterbatterien, Dissertation RWTH Aachen 1987
[10] J. B. Copetti, und F. Chenlo.: Internal Resistance Characterization of Lead-Acid Batteries for PV Rates, 11th E.C. Photovoltaic Solar Energy Conference, Monteux, Schweiz 1992, S. 1116 - 1119
[11] J. Garche, H. Döring, A. Jossen, V. Späth: Failure Modes and the Detection of the State of Health of Lead-Acid Batteries in PV-Systems, LABAT 1996
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